2015…

Soll bunt sein! Deswegen nun ein helleres Thema samt eventuell neuen Inhalten. Es wird weiterhin nachdenklich und auch manchmal politisch, aber allen voran soll es wieder lebensfroher sein! 🙂 Also: Entstauben wir das gute Ding einmal und versuchen uns wieder in den Weiten des Bloggens!

Wollen wir mal sehen, wie gut sich dieser Vorsatz hält!

Hallo Mr. Gott…

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts bangen…“

Mein Taufspruch.  Ein Spruch, der gerne für die folgende Kommunion oder Konfirmation genommen wird. Oder für die Beerdigung. Ich habe mich damals bewusst bei meiner Konfirmation gegen den Hirtenspruch entschieden. Vielleicht, weil er so vielseitig bereits genutzt wurde und mir eigentlich auch schon „zugeschrieben“ wurde, als ich im Namen der Kirche meinen Namen erhalten habe.
Der Glaube… ein Thema, das heute aktueller denn je ist. Für mich. Weil ich immer noch auf der Suche danach bin, was ich glauben kann und auch darf. Als Kind habe ich jeden Abend gebetet. Ich bat darum, dass meine Eltern am leben bleiben, dass sie gesund sind und sich nicht mehr so viel streiten sollen. Ich bat sicher auch um viele kindliche Wünsche, um materielle Dinge und hoffte darauf, dass diese unendlich mächtige Kraft dort oben sie mir schon beschaffen würde. Dann, mit meiner Pubertät, begann ich zu hinterfragen und nachzudenken. Gibt es einen Gott? Wenn ja, warum lässt er jenes und dieses zu? Und ich begann mich davon abzuwenden. Der jugendliche Sturkopf wollte seinen eigenen, individuellen Weg gehen. Ich komme aus keiner urchristlichen Familie, aber ich bin mit dem lieben Gott aufgewachsen. Und irgendwann wollte ich nicht das mit mir rumtragen, was ich aus der Kindheit „aufgezwungen“ bekommen habe. Ich wollte individuell sein. Anders. Etwas Besonderes, weil ich an nichts glauben wollte und der unausweichlich nackten Existenz trotzte. Oh was habe ich in der Schule Sartre und den Existenzalismus vergöttert und mich damit verbunden gefühlt! Ich wollte so unbedingt diesem nackten Dasein ausgesetzt sein, aller Umstände trotzen und mich den Philosophien toter Menschen widmen.

Irgendwann kam der Buddhismus. Ich habe mich viel mit anderen Religionen beschäftigt und noch immer finde ich die Gleichheit in der scheinenden Unterschiedlichkeit interessant und faszinierend. Ich versuchte, mir aus allem etwas rauszupicken, beschäftigte mich damit, ob ich wirklich hunderte Male wiedergeboren werden will, um letztlich in einem Nirvana zu landen. Und auch, wenn ich diese Religion sehr mag, mir sehr die Linien dieses friedfertigen Lebens gefallen, kann ich mich nicht in ihr wiederfinden…
Also suchte ich weiter und versuchte dabei möglichst, weiterhin das große Christentum zu meiden und als das verstaubte alte Relikt meiner Kindheit zu betrachten.

Das Leben beinhaltet Etappen. Und nun versuche ich, ein weiteres Mal herauszufinden, was ich glauben kann und soll… denn schließlich gehöre ich nun nicht nur zur Kategorie „Frau“, sondern auch zu einer Minderheitengruppe, die für manche Religionen abnormal liebt und lebt. Und so frage ich mich, vor allem heute, ob ich glauben darf, wenn ich in dieser Religion verurteilt werde. Ist es eine Sünde zu lieben? Ist es wirklich so schlimm, so zu sein? Wenn zwei Menschen einander wollen und lieben und sich dabei respektieren… kann das verurteilenswert sein? Bestimmte Parteien in Deutschland sprechen von der „christlichen Familie“ und dem Schutz der Familie im kirchlichen Sinn, wenn sie die eingetragene Lebenspartnerschaft nicht als Ehe bezeichnen will und diese gleichstellen möchte. Was ist mit den ganzen Regenbogenfamilien, die ebenso Sonntags in die Kirche gehen oder abends vorm Einschlafen beten? Und ja, die gibt es auch. Nur weil man schwul oder lesbisch ist, ist man nicht automatisch ohne Glauben. Viele verlieren ihn aber dadurch, dass sie mit einem Sonderstatus behaftet und dementsprechend auch behandelt werden. Ich schwanke. Suche. Darf ich mich wieder mit dem Glauben aus Kindertagen befassen und versuchen, etwas positives daraus zu ziehen? War nicht Jesus der coolste aller Hippies, der mit seiner Boygroup durch die Gegend tourte? Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Jungs nicht alle im Zölibat lebten, also bitte. Das wurde erst im Mittelalter erfunden… Nächstenliebe. Respekt. Miteinander. Dinge, die ich schätze. Aber der Rest, die Aufmachung dessen… ich schwanke in einem Für und Wider. Ich suche…und setze mich damit auseinander. Und vor allem macht es einen Angst, wenn man vielleicht entdeckt, dass man doch sich in dem Zuhause fühlt, in dem man seine Kinderschuhe auch trug.

Ich bin wie ich bin. Daran ändert kein Sven Heibel etwas, kein katholischer Pfarrer und kein verschrobener Putin. Ich liebe, weil ich so bin. Ich wurde so geboren. Punkt. Ich bin nicht krank oder gestört. Ich liebe in beiderseitigem Einverständnis und zwinge niemandem etwas auf. Ich lebe wie jeder andere Mensch auf diesem Stückchen Erde…und liebe wie ungefähr 5-10% der Bevölkerung der Welt. Und niemand wird mir das je verbieten können. Keine Politik, keine Religion.
Doch wäre es schön, sich irgendwann, irgendwo Zuhause fühlen zu können. Denn wenn man wie jeder andere behandelt wird, unabhängig davon, wen man liebt… dann ist es auch egal, wie und was ich glaube. Dann könnte ich einfach und schlicht sagen: Ja, ich möchte glauben…möchte es wieder versuchen.

Aber so…was soll ich glauben, wenn mich darin so viele Dinge verurteilen?
Wer hat diese Regeln aufgestellt?
Und war Jesus wirklich ein Hippie?

I want to believe…

Schwebender Zustand…

Meine Hand hält immer einige Zentimeter über dem Geländer an. Niemals fasse ich es an. Schwebend gleitet sie über der Möglichkeit hinweg, sich festhalten zu können. Aber nur abwärts, niemals aufwärts. Ich gleite hinab. Immer mit der Möglichkeit, mich festzuhalten. Ich sicher mich ab. Vor dem möglichem Sturz, dem eventuellem Stolpern… dem riskanten Wegrutschen. Die Stufen als Hindernis… oder Möglichkeit, hinabzuhuschen, elfengleich schwebend. Und manchmal frage ich mich, ob diese Geste eine Geste meines Lebens ist….